„Die Nationalratswahl 2017 hat die politischen Kräfte des Landes definitiv neu strukturiert und war eine Richtungswahl“. Zu diesem Schluss kommt der Politologe Fritz Plasser in seiner Analyse der Motive und bestimmenden Faktoren in der Wahl vom Sonntag. Erst zum dritten Mal in der Geschichte Österreichs wurde ein amtierender Bundeskanzler abgewählt. Zum ersten Mal überhaupt hat die kleinere Koalitionspartei in der Wahl die größere überholen können. Fritz Plasser über die Gründe dafür:
„Ein, in der Wählerschaft sehr erkennbarer, Wunsch nach Erneuerung, Veränderung und Überwindung eines wahrgenommenen politischen Stillstandes in Österreich. Diesem Wunsch nach Veränderung und Bewegung, Aufbruch, Erneuerung, aber auch Kursänderung in eine andere Richtung, hat offensichtlich der Kanzlerkandidat der ÖVP, Sebastian Kurz, durch seine Person, seine Argumente, vermutlich aber auch durch sein Erscheinungsbild, am besten entsprochen. Diese Stimmung ist nach wie vor im Land und in der Öffentlichkeit erkennbar.“
Die Wahlbeteiligung könnte laut Plasser die 80 Prozent-Marke überspringen, genau weiß man es erst am Donnerstag, wenn alle Wahlkarten ausgezählt sind. Eine Verdrossenheit der WählerInnen durch das, besonders gegen Ende des Wahlkampfes thematisierte, Dirty Campaigning ist damit nicht eingetreten. Besonders mobilisierend hat vor allem ein Thema gewirkt, erklärt Plasser:
„Wahlentscheidender Faktor war das Mega-, oder Metathema Migration und Integration. Wie kein anderes emotionalisierte und mobilisierte gerade dieses Thema. Auch die Alltagskommunikation und das persönliche Interesse und die Aufmerksamkeit der Wählerinnen und Wähler wurden davon bestimmt...